Hans-Gottfried Gäbler feiert Geburtstag: Auch mit 90 brennt die Leidenschaft fürs Schach
- Beitrag veröffentlicht:31. März 2025

Die Liebe zum Schach lässt ihn nicht los. Ein ums andere Mal fordert Hans-Gottfried Gäbler die Pfleger in einem Nürnberger Seniorenwohnheim zu einer Partie heraus. Und nicht selten ist er der Sieger. Da sitzt nicht nur ein Routinier am Brett, sondern einer, der mit und für den Denksport einiges erreicht hat. An seinem 90. Geburtstag am 31. März kann der Kirchenlamitzer stolz auf sein Lebenswerk blicken.
Dabei war Gäbler ein Spätberufener: Erst in den 70er-Jahren – da ging er auf die 40 zu – entdeckte er die Schachleidenschaft in sich. Zunächst noch beim Schachklub 1892 Hof, dann aber in seiner Heimatstadt. In Kirchenlamitz hatte es zwar zu früheren Zeiten einen Schachklub gegeben, nach dem Zweiten Weltkrieg war die Fichtelgebirgsstadt aber ein weißer Fleck auf der Landkarte des königlichen Spiels. Hans Gäbler zögerte nicht und packte an, wie so oft in seinem erfüllten Leben. Im September 1978 hob er mit den Gründungsmitgliedern die Schachfreunde Kirchenlamitz e.V. aus der Taufe. Gäbler übernahm sogleich den Vorsitz und gab ihn erst 2006, nach 28 Jahren, ab. Seine Frau Gisela und seine Tochter Gundula begeisterte er ebenso für Schach. Von Anfang an wusste er: Nur mit steter Aufbau- und Nachwuchsarbeit kann ein Verein auf Dauer überleben. So brachte er unzähligen Interessierten in Kirchenlamitz die ersten Züge bei und freute sich über manch große Erfolge seiner Schützlinge bei bayerischen und deutschen Meisterschaften. Jeden Freitag war er von Nachmittag bis Abend, teilweise bis in die Nacht, zur Stelle, um Schachwissen zu vermitteln, zu analysieren und zu spielen. Die Stadtbücherei im Erdgeschoss seines Wohnhauses wurde zum weithin bekannten Spiellokal der Kirchenlamitzer. Auch heute noch kann die Mehrzahl der Aktiven darauf zurückblicken, dass ihnen „der Hans“ – der Vereinsgründer, das Herz des Vereins, das Ehrenmitglied – die Geheimnisse des Schachs nähergebracht hat.
Für Gäbler, den engagierten und beliebten Lehrer und begabten und passionierten Musiker, war das Dasein als Vorsitzender und Trainer und (starker) Spieler allerdings nicht genug: Bald machte er sich auch als Funktionär einen Namen. So führte er lange Jahre den Schachkreis Hof als Vorsitzender und Spielleiter, war im Schachbezirk Oberfranken Jugendleiter, Spielleiter und Vizepräsident. Dafür erhielt er mehrere Auszeichnungen, unter anderem ist er Ehrenspielleiter des Bezirksverbands. Um wie viel aufwendiger solche ehrenamtliche Posten früher waren, kann man heute vielleicht nicht mehr einschätzen. Hans Gäbler verfasste seine Rundschreiben noch in fein säuberlicher Handschrift; auch die „Ingo-Hefte“ mit der Übersicht aller Wertungszahlen Hunderter aktiver Spieler stellte er per Hand zusammen, um sie dann zu kopieren und in die Post zu geben. Der Funktionär Gäbler war bekannt für seine ungewöhnlichen Ideen, und er war einer, mit dem man leidenschaftlich diskutieren konnte – aber immer einer, dem man selbst nach einer heftigen Debatte noch in die Augen schauen und die Hand reichen konnte. Ein fairer, menschlicher Sportsmann und echter Schachfreund.
In Kirchenlamitz ist sein Name auch ganz eng mit der Musik verbunden. Ebenfalls in den 70ern war er an der Gründung des Spielmannszugs beteiligt, leitete jahrelang die städtische Musikschule. Die Stadt würdigte ihn mit der Verdienstmedaille in Silber.
Doch zurück nach Nürnberg, wo Hans-Gottfried Gäbler am 31. März einmal mehr wohlverdient im Mittelpunkt stehen wird: Hier lebt der Jubilar in einem Seniorenheim, ganz in der Nähe seiner Tochter, hat Enkel und Urenkel immer wieder bei sich. Zu Weihnachten spielt er, wie in alten Zeiten, auf der Zither. Auch wenn die Gelenke nicht mehr so wollen: Hans-Gottfried Gäbler ist geistig nach wie vor sehr rege. Die Pfleger im Seniorenheim können ein Lied davon singen.
Die Schachfreunde Kirchenlamitz wünschen ihrem Hans alles erdenklich Gute, jede Menge Gesundheit und viel Freude am Schach!