Nachruf auf Hans-Gottfried Gäbler
Ein erfülltes Leben ist zu Ende gegangen: Hans-Gottfried Gäbler ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Der Kirchenlamitzer hinterlässt in seiner Heimatstadt und in ganz Oberfranken viele Spuren und war ein Vorbild im Ehrenamt. Dieses Bild sagt mehr als tausend Worte: Hans Gäbler hält strahlend, stolz und doch bescheiden eine seiner zahlreichen Auszeichnungen in Händen. Der damalige Präsident des Schachbezirks, Tom Carl, hat ihn mit einer Urkunde offiziell zum Ehrenspielleiter ernannt. Ein Titel, den vorher nur Ludwig Schirner, bekannt als der „gute Ludwig“, erhalten hatte. Ein Titel, der Gäblers reiches Wirken für den Bezirksverband würdigte. Bezirksspielleiter war er in einer Zeit ohne Computer, Internet und KI – und das bedeutete enormen Aufwand. Hans Gäbler verfasste unzählige Rundschreiben von Hand, vervielfältigte sie, steckte sie in Briefumschläge und gab sie zur Post. Ähnlich war es in den vielen Jahren als Vorsitzender und Spielleiter des Schachkreises Hof. Da stellte er den Ingo-Spiegel mit den früheren Wertungszahlen in sauberer Handschrift zusammen, bevor das Heftchen an alle Vereine und Interessierte versandt wurde. Hier brachte er auch neue kreative Ideen ein. Zum Beispiel wurde eine Zeitlang nach den Mannschaftskämpfen der Jugend eine Runde Tandem gespielt. Was Hans-Gottfried Gäbler zu einer außergewöhnlichen Persönlichkeit und zu einem echten Vorbild machte: Er zögerte nie, wenn es darum ging, Verantwortung zu nehmen. Auch wenn er insgeheim wusste, dass jeder Posten mit Mühen und mancher Kritik verbunden ist: Bei ihm überwog stets die Freude an der ehrenamtlichen Arbeit. Gäbler wollte etwas bewegen und voranbringen – und das konnte er am besten, indem er vorauslief und andere durch seine Begeisterung mitriss. Wenn er etwas anpackte, dann mit voller Leidenschaft und 100-prozentigem Engagement. Bei der Musikschule und dem Spielmannszug Kirchenlamitz ebenso wie beim Segelverein und beim Shanty-Chor Bad Weißenstadt, in seinem Beruf als Lehrer sowie als Familienmensch. Immer war er mit vollem Herzen dabei. Das galt in besonderem Maße auch fürs Schach. Ein Hobby, das er in den 70er-Jahren für sich entdeckte und das ihn nicht mehr losließ. Akribisch beschäftigte er sich mit Eröffnungstheorie, Kombinationen und Endspielen. Im September 1978 hob Hans-Gottfried Gäbler den Verein Schachfreunde Kirchenlamitz aus der Taufe. Für ihn eine Selbstverständlichkeit, von Anfang an den Vorsitz zu übernehmen, den er bis 2006 innehatte. Gäbler machte den Schachklub aus der kleinen Fichtelgebirgsstadt zur großen Nummer und zum bekannten Namen in Oberfranken. Immer wieder führte er Kinder und Jugendliche an den Denksport heran, einige von ihnen stiegen bis zur deutschen Spitze auf. In den heutigen zwei Mannschaften sitzen etliche, denen Gäbler schon die ersten Züge beigebracht hatte und sie dann über Jahrzehnte begleitete. Zu ihrem 25. Jubiläum ernannten die Schachfreunde ihren Hans zum Ehrenmitglied. Hans lief sogar beim Hobbyfußballspiel gegen die Marktleuthener Schachfreunde auf, um nach zehn Minuten verletzt auszuscheiden. Er war sich nicht zu schade, in die Rolle des Nikolaus zu schlüpfen, und brachte seine Schachfamilie bei Weihnachtsfeiern zum Singen. In zahllosen Anekdoten wird die Erinnerung an ihn lebendig bleiben. Eine Besonderheit: Der Verein sicherte sich auf Gäblers Initiative die Stadtbücherei als Domizil. Diese befand sich im „Lehrerwohnhaus“ in der Schulstraße,…